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Mittwoch, 23. April 2014

Ostermontag am Gügel




Wie funktioniert Pseudowissenschaft?

Wer einmal wissen möchte wie Pseudowissenschaft funktioniert, sollte einen Blick in den Trailer hier werfen. Die "Doku" ist zwar sicher großer Blödsinn, aber zu Anschauungszwecken ist der Trailer hochinteressant.

Pseudowissenschaft funktioniert so: Es handelt sich nicht um ordentliche "Wissenschaft", sondern um eine Agenda/eine Intention, die mit aller Gewalt durchgesetzt werden soll. Im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen Untersuchung steht das Ergebnis also von Vorneherein fest. In diesem Fall: "Die Erde steht im Mittelpunkt des Universums, Galileo und die Wissenschaft hatte Unrecht und die Kirche hat Recht". Dieses Ergebnis soll nun mit Hilfe der Pseudowissenschaft untermauert werden. Dies erreicht man am besten dadurch, dass man nur Argumente vorbringt, welche die eigene Sicht untermauern und die Gegenposition schlecht aussehen lassen. Dem Publikum dürfen niemals Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Agenda kommen, sondern nur an der Gegenseite.

Im Trailer wird das gut deutlich: Renommierte Wissenschaftler werden immer wieder aus dem Kontext heraus mit den Worten zitiert, dass sie ja eigentlich keine Ahnung von nichts haben. Das soll natürlich zeigen, dass die "Wissenschaft" keine Erklärungen anbieten kann, weshalb übernatürliche Kräfte am Werk sen müssen. Solche Schlüsse aus der Unkenntnis heraus sind ein fester Bestandteil pseudowissenschaftlicher Behauptungen (siehe hierzu auch die eine Millionen Theorien zu Atlantis, dem Nibelungen-Schatz oder zu Troja).

Direkt nach solchen Beteuerungen der Unwissenheit folgen dann Montagen, die uns zeigen sollen, dass die Erde viel zu toll ist, um ohne göttlichen Plan entstanden zu sein. Dabei sollten natürlich nur positive Bilder verwendet werden. Bilder von Naturkatastrophen, Krieg und Leid wären hier kontraproduktiv, da der Zuschauer anfangen könnte nachzudenken, warum ein göttliches Wesen all das zulassen würde? Die Negativbilder werden allein bei der Darstellung der Gegenseite angewendet.

Sympathisch wirkende Menschen wiederholen statt dessen immer und immer wieder die Agenda, welche in diesem Film verbreitet werden soll: Dass die Wissenschaften keine Erklärungen und Wahrheiten bieten, weshalb nur ein göttlicher Plan in Spiel kommen könne. Untermauert wird dies durch Phrasendrescherei ("seid ihr denn nichts besonderes?"), kryptische Formeln, schnelle Schnitte und allerlei CGI-Hokus-Pokus, dem der Zuschauer eh nicht folgen kann, was aber auch keine Rolle spielt, da es nur um die Wirkung und die Bilder geht.

Einen Pseudowissenschaftler erkennt man immer daran, dass er immer und immer wieder von Fakten, Tatsachen und der "Wahrheit", bzw. von den Unwahrheiten oder der Unwissenheit der anderen spricht. Selbstverständlich hat er die "Wahrheit" schon gefunden, an der er uns nun teilhaben lassen will.

Wenig verblüffend beginnt der Trailer dann auch mit den Sätzen: "alles was sie über das Universum wussten ... ist falsch" und "Dies ist der Moment der Wahrheit".

Ein ordentlicher Wissenschaftler überlässt die Suche nach der "Wahrheit" lieber den Philosophen. Die finden meist eine ganze Menge davon...

Wem die Stimme am Anfang bekannt vorkommt: Das ist tatsächlich Captain Janeway von der Voyager, die ebenso wenig wie die anderen Wissenschaftler in dem Film erahnen konnten, dass es sich bei dieser "Doku" um das Machwerk einer christlich fundamentalistischen Gruppe handelte, die uns erklären will, warum sich die Sonne und das ganze Universum um die Erde dreht.

Entsprechend schlecht gelaunt sind die Wissenschaftler und Kate Mulgrew jetzt, die als prominente Aushängeschilder missbraucht werden. Auch das ist typisch für die Pseudowissenschaft: Sie braucht bekannte Namen und Gesichter, mit denen sich die Leute identifizieren können oder an denen sie sich als Antagonisten reiben können. Dabei muss es sich nicht unbedingt um richtige Menschen handeln und lustigerweise sind diese Pro- und Antagonisten je nach Pseudowissenschaft frei austauschbar.

Als Antagonist bieten sich auch gesichtslose Institutionen und Strukturen an wie "Die Kirche" oder "die Wissenschaft", da es immer leichter ist gegen etwas zu sein, solange es kein Gesicht hat. Und wenn man dem Antagonisten ein Gesicht gibt, dann natürlich immer ein Schlechtes. Auch in Historienfilmen lässt sich eine Agenda gut an der Darstellung der Pro- und Antagonisten erkennen.

Auf der Strecke bleibt in den meisten Fällen der Verstand. Aber auf den haben es die Macher dieser Doku eh nicht abgesehen.


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